Verwahrt wird, wer als gefährlich gilt. Nach verbüsster Strafe sitzen Verwahrte nicht mehr für eine Tat, die sie begangen haben, sondern für eine, die sie begehen könnten. Über die Freiheit entscheiden Gutachten, die Gefährlichkeit vorhersagen sollen, und eine Vollzugspraxis, die im Zweifel für die Sicherheit entscheidet. Ein Enddatum gibt es nicht. Verwahrte sind die Aussortierten, die Unangepassten, die Entbehrlichen eines wachsenden Sicherheitsbedürfnisses.
Hanspeter Zablonier: Jenischer, Verdingkind, Verwahrter. Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, seit bald 28 Jahren verwahrt. «Mir wurde das Leben zwei Mal weggenommen», sagt er, «als Verdingkind und als Verwahrter.»
Das Projekt «Verdingt. Verwahrt.» ist eine zusammen mit und #Bigdreams entwickelt. Wir beschäftigen uns mit Hanspaters Biografie und mit gesellschaftlichen Strukturen des Ausschliessens und Einsperrens. Normelerweise wird über Verwahrte wie Hanspeter meist hinter verschlossenen Türen verhandelt: in Gutachten, Gerichtssälen, Kommissionen. In der Roten Fabrik machen wir es anders. Wir gehen live und on the record.
Für 28 Jahre Verwahrung gibt es 28 Stunden Talks, Lesungen und ein musikalisches Nachtprogramm, dazu eine immersive Installation, Barbetrieb und ein Apéro riche aus dem Rezeptbuch von Hanspeter Zablonier
Freitag 06.11.2026
19:00–19:45
«Bis auf Weiteres»
Launch der #BigDreams-Podcastserie, live vor Publikum
20:00–21:00
«Bestrafen, Therapieren, Verwahren?»
Talk mit Susan Boos (Autorin und Journalistin), Ineke Pruin (Professorin für Kriminologie, Universität Bern) und Elmar Habermeyer (Direktor Klinik für Forensische Psychiatrie, PUK Zürich)
21:15–22:00
«Auge um Auge. Die Grenzen des präventiven Strafens»
Lesung aus dem Buch von Susan Boos
ab 22:00
Apéro riche, danach Nachtprogramm mit Musik, zusammengestellt von Hanspeter Zablonier
Samstag 07.11.2026
14:00–16:00
«Gemeingefährlich. Eine Geschichte des Schweizer Massnahmenvollzugs»
Podcast-Panel live mit Urs Germann (Historiker) und Martino Mona (Strafrechtsprofessor, Universität Bern)
19:00–19:45
Der Fall Zablonier und das Schweizer Massnahmenrecht Einführung: Stephan Bernard, Anwalt von Hanspeter Zablonier und Experte für Massnahmenrecht
20:00–21:45
«Massnahmen und Masshalten»
Hugo Portmann (ehemals Verwahrter) und Brigitte Hürlimann (Juristin und Journalistin), anschliessend Publikumsgespräch mit Stephan Bernard
bis 23:00
Ausklang und Sendeschluss
#BigDreams ist ein Zürcher Künstler:innenkollektiv an den Schnittstellen von Kunst, Politik und Öffentlichkeit.
In seinen Arbeiten beschäftigt sich das Kollektiv mit Fragen von Menschenrechten, staatlicher Gewalt, Diskriminierung, Medienlogiken und gesellschaftlichen Machtstrukturen. Dafür entwickelt #BigDreams performative Formate zwischen Theater, Installation, Dokumentation und Kampagne. Die Projekte verbinden künstlerische Praxis mit Recherche und versuchen, komplexe politische und gesellschaftliche Themen für ein breites Publikum zugänglich zu machen.